Modellbauteam-Kirchberg

Wie lackiere ich ein Modell

Grundierung und Lackieren von Modellen ( per Airbrush )

In diesem Fall behandeln wir das Grundieren und Lackieren von Fahrzeugen. Das das Modell fettfrei und sauber sein soll, erklärt sich von selbst.
Es gibt verschiedenste Vorgehensweisen wie man ein Modell mit Farbe versieht. Hier einmal eine Prozedur, die ich mir zu eigen gemacht habe.

Eine Grundierung ist das erste muss bei einem Modell. Egal ob Figuren aus Zinn, Plastik usw. Das gleiche zählt auch bei Fahrzeugen. Keine Grundierung, keine Farbhaftung.
3 Arten der Grundierung möchte ich hier kurz erläutern:
Helles Grundieren, Dunkles Grundieren, neutrales Grundieren.


Helles Grundieren: Man brusht helle Farbe als erstes auf das Modell. Da ergibt sich das man später mehr abdunkeln muss

Dunkles Grundieren: Ist eigentlich klar. Man muss extrem aufhellen ( Diese Vorgehensweise ist am schwierigsten ).

Neutrales Grundieren: Am besten mit einem mittleren Grau ( Gibt es auch von verschiedenen Herstellern (Primer) ). Hierbei hat man die Wahl wie man vorgeht. Ich finde das ist die einfachste Methode. Je nach Hersteller erkennt man sogar noch überschüssige Stellen oder Vertiefungen. Aber Achtung: Geruchsneutral sind die meisten nicht. Jedenfalls die nicht, die aus der Sprühdose kommen. Vallejo Primer ist da Ideal, da der Geruch so gut wie nicht vorhanden ist. Perfekt für kleine Hobbyräume.

Den Primer deckend auftragen. Bitte das Modell nicht zu kleistern. Eine einfache deckende Schicht reicht völlig aus. Dann das Modell gut durchtrocknen lassen (am besten über Nacht). Wem es nicht schnell genug geht, der nimmt einfach einen Fön zu Hilfe. Auch hier wieder Achtung: Hitze und Plastik vertragen sich nicht wirklich.



Modell grundiert:

So nun geht es ans eingemachte: Wir kommen zum Vorschattieren (pre-shading)

Ich würde dieses Vorgehen an einem Sherman gerne erläutern: Vorschattieren bedeutet, das man alle Ecken, Kanten, Verrundungen, quasi einfach alles wo eine Fläche abgeschlossen ist, diese mit einer dunklen Farbe versieht. Natürlich gibt es auch hier verschiedene Vorgehensweisen. Man kann einfach schwarz nehmen und damit das Modell schattieren. Man kann aber auch die passende Schattenfarbe aussuchen. Soll heißen, bei einem Grünen Fahrzeug, ist die Komplementärfarbe Blau (immer dran denken → Blau + Gelb = Grün ). Durch dieses Vorgehen, ergibt sich später ein viel homogeneres Farbenbild, als wenn man einen harten cut mit schwarz lackiert. Hier kann man vielleicht sogar mehrere blau Töne nehmen, um verschieden artige Schattentiefen zu erzeugen. Merke: Das ganze Schattieren kann man sehr gut an einer Comiczeichnung erkennen. Alle Ränder bzw. Umrisse sind schwarz.



Hier ein Beispiel an einem Modell des Abrams M1A1

Der Rest ist eigentlich ganz einfach. Da wir den Sherman mit einem Farbset von Vallejo bearbeiten, folgen wir einfach den Anweisungen auf der Packungsbeilage. Es ist aber zu beachten das die ersten Farbaufträge deckend sind, aber das Modell nicht zu gekleistert wird. Des weiteren bitte nicht wie auf der Packungsbeilage beschrieben, Farbe auf Farbe auftragen, sondern die nachfolgende Farbe einfach ins Farbtöpfchen geben und quasi nass in nass brushen. Der Vorteil besteht darin das die Farbübergänge, sehr viel homogener werden und nicht abgehackt aussehen. Nacharbeiten geht hier eigentlich immer. Zum Schluss Klarlack drauf und es kann mir der Verwitterung begonnen werden. Hier noch ein kleiner Tipp. Das Modell mindestens 2 Stufen heller brushen als gewollt, da das Modell beim Verwittern extrem abdunkelt.....



Jetzt geht es ans Verwittern. Eigentlich der schwerste Part des ganzen Lackierens. Ein Modell sauber aussehen zu lassen ist ja kein Problem. Beim oben genannten Punkt wären wir quasi fertig. Hier aber sieht die Welt etwas anders aus. Das Modell soll lebhaft, aber nicht zu gematscht wirken. Selbst wenn es im Schlamm steht, muss oder soll es immer noch lebendig und echt wirken. Und nicht wie in eine Dose mit Dreck getaucht.

Als erstes sollte man sich darüber im klaren sein, wo das Modell ( egal ob Figur oder Fahrzeug )zu stehen kommt.
Soll es ein Display – Modell oder Diorama werden? Hat es überhaupt einen Untergrund usw....?
Am Beispiel des Shermans werden wir das Modell als Display – Modell handhaben. Das heißt das es ohne speziellen Untergrund in die Vitrine kommt. Leichter Staub und Dreck sollte hier ausreichen. Weniger ist manchmal mehr.....





Wir arbeiten uns also von oben nach unten vor. Den Turm nehmen wir ab, der kommt zum Schluss. Gerade bei Verläufen ist es wichtig, die Laufrichtung des Wassers beizubehalten. Wasser läuft nun mal von oben nach unten.

Was brauchen wir dafür: Pinsel ( Rotmarder oder besser ), Ölfarben ( Hersteller ist egal ), White Spirit. Ich nehme es von AK Interaktive. Damit habe ich die besten Erfahrungen gemacht.

Ölfarben: Van Dyke Braun, Orange, Blau, Gelb, Rot, Siena Gebrannt, Weiß

Das ist die grobe Richtung. Da wir ein grünes Fahrzeug haben, sollten wir auch in dem Farbspektrum bleiben.

Fangen wir also mit Van Dyke Braun an. Dieses auf eine Mischpalette geben und mit White Spirit verdünnen ( Die Konsistenz sollte wie Milch sein, auf keinen Fall dicker. Lieber dünner und 2 mal drüber gehen. ) Die verdünnte Farbe einfach in alle Vertiefungen laufen lassen.... siehe Bild. Gleichzeitig kann man auch schon einfachste Verläufe anbringen. Sollte etwas Farbe daneben gehen, ist das nicht schlimm. Da die Untergrundfarbe versiegelt ist, kann man die Ölfarbe ganz einfach mit einem sauberen Pinsel abwaschen, oder aber in eine gewünschte Richtung schieben.

So behandele ich das ganze Fahrzeug. Die dunkle Ölfarbe dient hier nicht nur zur Darstellung von Schmutz, sonder auch um einen sogenannten 3d Effekt herzustellen. Da wir ja die tiefsten Stellen mit der dunklen Farbe „hervorheben“, lässt sich das Modell viel besser erkennen bzw. lesen. Sollte dieser Vorgang weggelassen werden, bleibt das ganze Fahrzeug zuerst einmal grün. Höhenunterschiede wären nur zu erahnen, anstatt zu erkennen. Der ein oder andere wird sich vermutlich denken, das kann man auch mit schwarzer Farbe. Klar geht das, aber schwarze Verläufe auf einem grünen Fahrzeug sehen erstens nicht aus, zweitens stellt die Farbe schwarz immer ein Loch dar.....

Somit ist der erste Schritt beendet. Ehe die Verwitterung weiterbehandelt wird, möchte ich zuerst ein anderes Thema aufgreifen.

An dieser Stelle bringe ich einen Eyecatcher auf. Es gibt da auch verschiedenste Möglichkeiten.

Hier einige Beispiele:

• Anbringen von Kisten oder Figuren
• Eimern, Waffen, sogar Fahrräder wären ein Punkt.



An diesem Sherman aber verrosten wir eine Heckplatte. Durch diesen Effekt wirkt das Modell lebendiger. Wenn Menschen dieses Modell betrachten lädt es förmlich zum nachdenken ein: Warum ist die Platte verrostet, wurde sie ausgetauscht?



3 Möglichkeiten gibt es, um verrostete Flächen darzustellen:

• Die schwierigste, man malt alles von Hand. Da ich grundsätzlich so wenig Zeit wie möglich daran verschwenden will, fällt diese Möglichkeit bei mir immer durch.

• Die zweite wäre die Salzmethode. Diese kann auf meiner Homepage nachgelesen werden.

• Für mich die schönste Variante ist mit AK Interaktive´s Heavy Chipping Medium zu arbeiten. Wenig Zeitintensiv aber maximales Ergebnis.



Die Vorgehensweise:

• Das Modell muss versiegelt sein
• Heavy Chipping per Airbrush auftragen. Wenige Tropfen reichen im Farbtöpfchen
• Die zu bearbeitende Fläche komplett damit einsprühen.
• Airbrush frei blasen von Heavy Chipping. Muss nicht zwingend gereinigt werden
• Dann alle Farben die man als Rost darstellen möchte hintereinander auftragen
• Zum guten Schluss nochmal mit Heavy Chipping komplett einsprühen
• Alles gut durchtrocknen lassen und im Anschluss ( je nachdem wie lange es getrocknet ist ), mit einem mittel,- und oder harten Pinsel und lau warmen Wasser alles wieder abtragen. Beim Abtrocknen nicht länger als 30min. verstreichen lassen.
• Die ganzen Farblagen kommen mit und mit zum Vorschein






So wie auf dem Bild zu sehen ist, sollte es ungefähr aussehen. Hier habe ich hauptsächlich in der Mitte gearbeitet. Das soll aber jedem selbst überlassen sein. Zum guten Schluss, wurde die Fläche noch etwas ausgebessert und mit einer dünnen Lage Ölfarbe ( Siena gebrannt ) übermalt.

Die Farben die an den Seiten verlaufen sind, werden später in der Verwitterung mit eingearbeitet.

Ich denke das Ergebnis kann sich sehen lassen. Alles in allem sollten da nicht mehr als 10 -15 min. Arbeit investiert werden. Ein kleiner Aufwand mit einem wundervollen Ergebnis. Das wertet das Modell auf jeden Fall auf. Als nächstes behandeln wir den Motorraum bzw. dessen Abdeckung und dann geht es weiter mit dem eigentlichen Verwittern. Hätte man das Heck des Fahrzeugs als erstes Verwittert, wäre der Arbeitsschritt umsonst gewesen, da ja alles übermalt wurde. Daher bedenkt bitte, das immer, egal was ihr malt, ein gewisser Arbeitsplan im Kopf erstellt werden sollte. Wahllos drauf rum pinseln bringt nichts. Alles Schritt für Schritt dann hat man mit wenig Aufwand ein tolles Modell. Aber das kommt mit der Zeit ganz automatisch.



Der Rest ist eigentlich ganz einfach. Hier beschrieben an einem Marder in 1:35.




Wenn alle Verläufe aufgetragen sind und man mit dem Ergebnis zufrieden ist, können Pigmente,zur Darstellung von Schmutz und Staub, hinzugefügt werden -> hier ein Beispiel




Das war´s. Bei Fragen schreibt mich einfach über das Formular an.....